#ImDialog: Dr. Wolfgang Pfeuffer

Gleich zu Beginn die schwierigste Frage: Sind Sie selbst ein guter Gesprächspartner?

Oha, ich fürchte: Eher nein. Dazu bin ich wohl zu ungeduldig und vielleicht auch zu verschlossen – „fränkisch“ halt, wenn Sie so wollen. Aber ich bemühe mich…

Aber Sie schätzen das persönliche Gespräch?

Ja, sicherlich! Für mich hängt das vor allem an den Themen. Small-Talk interessiert mich nicht so sehr, aber ich finde es wichtig, über Fragen rund um die Immobilie und besonders über unsere aktuellen Spezialthemen wie die Digitalisierung ins Gespräch zu kommen. Das bewegt uns derzeit sehr und darüber diskutieren wir hier im Hause zurzeit auch besonders viel, weil es uns selbst betrifft.

Ist denn die Digitalisierung aus Ihrer Sicht mehr Freund oder mehr Feind des guten Gesprächs?

Das hängt sicher von der gesellschaftlichen Gruppe ab. Wo nur noch über soziale Medien kommuniziert wird, da wird es oft beliebig. Ein paar Regeln von Höflichkeit und Rechtschreibung sollten doch noch beachtet werden. Aber Digitalisierung kann ja auch vieles beflügeln. Sie macht den Austausch von Informationen schneller und einfacher, selbst wenn es umfangreiche Pakete von Zahlen und Berichten sind. Und das wiederum erleichtert sehr das eigentliche Gespräch „auf Augenhöhe“, also zwischen zwei gleichrangigen Dialogpartnern.

Wie befördern Sie denn die Gesprächskultur in Ihrem eigenen Unternehmen?

Unser Haus ist da gerade sehr im Umbruch. Wir wachsen und erneuern uns personell sehr stark. Deshalb müssen wir auch eine digitale Gesprächskultur entwickeln, die sich diesen Veränderungen anpasst. Zum Beispiel installieren wir gerade ein Konzept „Arbeit 2.0“, das variable Arbeitsplätze statt fester Büros vorsieht. Das organisieren wir von oben nach unten, der Vorstand fängt also an, dann kommen die Mitarbeiter.

Erschwert so ein Konzept das persönliche Gespräch nicht eher?

Das kommt darauf an. Wir werden sicher mehr dokumentieren müssen, damit alle Informationen jederzeit und von jedem Ort aus zur Verfügung stehen. Und wir müssen dafür sorgen, dass das dafür eingesetzte Instrumentarium auch von allen gleich intensiv genutzt wird. Aber wir bauen auch unser Gebäude so um, dass mehr offene Gesprächszonen im Haus entstehen, wo man zufällig oder verabredet miteinander reden kann.

Und in der Branche? Wird das persönliche Gespräch dort noch geschätzt?

Ach wissen Sie, die Wohnungswirtschaft ist in mancher Hinsicht ja wie eine große Familie. Zu bestimmten Terminen im Jahr treffen sich alle. Man läuft sich also ganz regelmäßig über den Weg, spricht miteinander und hält sich so auf dem Laufenden. Ich glaube, in der Wohnungswirtschaft geht das persönliche Gespräch nie unter.

  

Dr. Wolfgang Pfeuffer, geboren 1956 in Würzburg, studierte von 1974 bis 1979 Volkswirtschaftslehre an der dortigen Universität und war anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. 1982 promovierte er bei Prof. Dr. Dr. Otmar Issing über Fragen der ökonometrischen Wohnungsbauprognose in Deutschland.

1983 trat er in die Joseph-Stiftung ein, 1987 wurde er Vorstandsmitglied. Seit 1995 ist er als Vorstandssprecher der Stiftung für die Tätigkeitsschwerpunkte  Unternehmensstrategie, Asset-Management, Finanzen, Beteiligungen, AAL (Ambient Assisted Living) verantwortlich. Von 2004 bis 2016 war Dr. Wolfgang Pfeuffer Vorsitzender des KSD – Katholischer Siedlungsdienst e.V., dem Bundesverband für Wohnungswesen und Städtebau. Daneben ist er Gremiumsmitglied in einer Vielzahl von (wohnungs-)wirtschaftlichen Verbänden und Organisationen.

Dr. Wolfgang Pfeuffer fördert das persönliche Gespräch in seinem Unternehmen, möchte aber auch eine digitale Gesprächskultur entwickeln. „Digitalisierung kann vieles beflügeln – auch den guten Dialog“, ist er überzeugt.


 

Die  Joseph-Stiftung wurde 1948 durch den Bamberger Erzbischof Joseph Otto Kolb als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet. Sie ist als kirchliches Wohnungsunternehmen christlichen Grundwerten verpfichtet. Der Zweck der Stiftung ist eine angemessene und sozial vertretbare Verbesserung der Wohnungsversorgung, insbesondere in der Erzdiozöse Bamberg. Mit etwas 180 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund 370 Mio. € ist die Joseph-Stfitung eines der größten Wohnungsunternehmen in Nordbayern.

Hauptsitz der Joseph-Stiftung ist Bamberg, zudem werden Geschäftssstellen und Kundenzentren in Bayreuth, Erlangen, Nürnberg, Forchheim, Ansbach und Fürth unterhalten. Der eigene Wohnungsbestand - rund 3.700 Mietwohnungen, 1.600 Studentenapartments und 75 gewerbliche Einheiten - konzentriert sich auf die Metropolregion Nürnberg, Dresden und Regensburg.